Von SZ-Redakteur
Volker Fuchs
Können die Oberthaler in diesem Sommer in ihr Freibad gehen? Und wenn ja, wie lange noch? Hat das Bad überhaupt eine Zukunft? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Rat und Verwaltung der Gemeinde. Am Donnerstag hat der Gemeinderat in seiner Sitzung dem Bürgermeister 30 000 Euro bewilligt. Damit soll die Filteranlage wieder in Schuss gebracht werden. Ob das funktioniert, weiß aber noch niemand.
Das Oberthaler Freibad ist vor mehr als 50 Jahren gebaut worden. Entsprechend alt ist die Badtechnik, die für sauberes Wasser sorgen soll. Und dies über Jahrzehnte auch getan hat. Im vergangenen Jahr allerdings musste das Planschbecken geschlossen werden, weil das Wasser zu stark belastet war. Nach der Badesaison hat die Gemeinde im Technikgebäude die Filterkiesschicht ausbauen lassen, um die unter dem Kies liegenden Rohrleitungen zu überprüfen. Die müssen jetzt zum Teil erneuert werden, dann muss neuer Filterkies eingebracht werden. Das Ganze kostet zwischen 25 000 und 30 000 Euro. „Dann sind wir technisch auf dem Stand wie in den letzten Jahren“, sagt Bürgermeister Stephan Rausch. Niemand könne sagen, ob die Technik das Wasser dann wieder so reinigen kann, dass das Gesundheitsamt dieses für den Badebetrieb freigibt, dass also die Keimbelastung unter den vorgeschriebenen Grenzwerten liegt. Bestenfalls können sowohl das große Nicht- und Freischwimmerbecken genutzt werden wie auch das Planschbecken. Schlimmstenfalls keines. Dann bleibt das Bad zu, wären die 30 000 Euro in den Sand gesetzt.
„Unser Wunsch ist es, dass die Oberthaler 2010 das Bad nutzen können. Vielleicht auch noch 2011“, sagt Bürgermeister Stephan Rausch. „Damit würden wir Zeit für eine Lösung gewinnen.“ Die aber wird teuer, das ist schon jetzt abzusehen.
Die Gemeinde hat das Ingenieurbüro IBZ aus Merzig beauftragt, Pläne für die Sanierung oder den Neubau eines Bades zu erarbeiten und die Kosten zu ermitteln. Das Ergebnis: Die Sanierung des Oberthaler Freibades kostet 2,8 Millionen Euro. Nicht eingerechnet ist hier die Sanierung oder der Neubau des alten Eingangs- und Sanitärgebäudes sowie des Kiosks. Für den kompletten Neubau des Bades müssten 3,3 Millionen Euro investiert werden. Die Umgestaltung in ein Naturbad würde 2,5 Millionen Euro kosten.
Der Bürgermeister: „Ohne großzügige Unterstützung von Land und Landkreis ist dies nicht zu machen.“ Ob aber überhaupt Zuschüsse fließen, das werde er in den kommenden Wochen klären. Oberthal selbst kann aus eigener Kraft schon bisher in jedem Jahr nur etwa 400 000 Euro investieren. Für einen Neubau wären damit auf achteinhalb Jahre alle Finanzmittel der Kommune gebunden.
Die Gemeinde steckt in einem Dilemma. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Vorschriften zum Betrieb eines Freibades erheblich strenger geworden. Für bestehende Bäder gibt es aber eine Art Bestandsschutz. Natürlich nur, wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden, die das Gesundheitsamt regelmäßig überprüft. Sobald aber das Bad saniert werden muss, greifen die neuen Regelungen. So ist klar, dass das marode Technikgebäude abgerissen und durch ein neues ersetzt werden muss. Auch müssen die Filteranlagen wesentlich größer sein, muss es getrennte Wasserkreisläufe mit separater Chlorregelung für Nicht- und Schwimmerbecken sowie Planschbecken geben. Und und und.
Am Donnerstag, 29. April, ist die Zukunft des Freibades Thema im Oberthaler Gemeinderat. Dann werden die drei verschiedenen Varianten vorgestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt will der Bürgermeister auch geklärt haben, wie es mit der Förderung durch Stadt und Land aussieht.
Das Oberthaler Freibad ist der Gemeinde schon jetzt lieb und teuer. Im Durchschnitt der vergangenen Jahre hat allein der laufende Betrieb des Freibades 175 752 Euro pro Saison gekostet. 19 444 Euro kamen als Einnahmen durch den Verkauf der Eintrittskarten herein, das Defizit von 156 308 Euro hat die Kommune getragen.
Das Bad hat im Schnitt 100 Tage im Jahr von Vatertag bis Ende August geöffnet, je nach Witterung. Im Schnitt zählte man im vergangenen Jahr 133 Besucher am Tag. An einem besonders guten Tag können es mehr als 600 sein, bei schlechten noch nicht einmal ein Dutzend. Nach Schätzung der Verwaltung nutzen weniger als zehn Prozent der Oberthaler das Freibad. Allerdings gibt es auch Familien, die dort regelrecht ihren Sommerurlaub verbringen. Die Tageskarte kostete im vergangenen Jahr 2,50 Euro für Erwachsene und 1,30 Euro für Kinder.